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Realtalk: Liebe Plus Size Kundin – wem gibst du dein Geld!?

Immer noch gibt es diese eine Studie von 19hundertschlagmichtot, in der gesagt wurde, dass dicke Frauen lieber dünne Models sehen wollen.

Hallo, du!

Montag morgen, sieben Uhr und zehn Minuten. Ich sitze noch im Bett und schreibe einen ersten Text, den ich noch heute an meine Grammatikfee, die liebe Tatjana, weitergeben werde.
Der erste Text des Tages, und es werden noch einige folgen. Denn Montag wird mein neuer Schreibtag, da will ich Beiträge vorproduzieren. Ein Tag in der Woche, an dem ich die Texte der Woche vorschreibe und mir weniger Gedanken machen muss, wann ich was poste. Planung ist immer noch wichtig, und Struktur weiterhin mein Endgegner.*lach*

Während ich mich nebenbei von der Radiomusik berieseln lasse, liest mir mein kleiner digitaler Assistent einen Text vor. Ja, manchmal kann ich Multitasking. 🙂 Es handelt sich um einen Bericht aus der Textilwirtschaft, und ich lausche:

Der große E-Textil-Riese Asos schreibt Verluste, und es wird mit einem Gewinnverlust von über 46% gerechnet. Eine Runde weiter höre ich vom Insolvenzverfahren eines großen Unternehmens, das hoffentlich gerettet wird.
Gerade ist Hoch-Phase der Order. Nach der Fashion Week ist die Modeszene jetzt in Düsseldorf unterwegs und bestellt (also ordert) Ware für die nächste Saison.

Ich mache mir Gedanken über Nachhaltigkeit und kann mir nicht vorstellen, wie es aktuell Feinrippunterhemden aus nachhaltiger Baumwolle für nur 2,99 Euro im Discounter geben kann.
Kann das wirklich nachhaltig sein? Zu diesem Dumpingpreis? I dont think so!

Nachhaltigkeit, Fair Trade, Qualität und Individualität stehen schnell, günstig und massenkompatibel meiner Meinung nach oft gegenüber. Wann ich das letzte Mal Kleidung in einem Discounter gekauft habe, kann ich gar nicht mehr sagen. Gott sei Dank bin ich auf Discounter und Konsorten nicht angewiesen, kenne aber durchaus Zeiten, in denen es so war.

tanja marfo

Modebranche im Wandel

Die Modebranche ist in einem großen Wandel. Verbraucher werden immer informierter und wollen mehr wissen, mehr verstehen. Das ist gut so. Es reicht schon lange nicht mehr aus, einfach darauf zu vertrauen, dass eine Marke läuft und bekannt ist. Heute haben Brands (Marken) viel öfter mit Identifikation und Storytelling zu tun als in meiner Jugend.

Es gibt mehr Testimonials (Referenzen) denn je. Da werden Schauspieler, Influencer und bekannte Persönlichkeiten zu Markenbotschaftern und bringen im besten Fall ihre Community gleich mit. Welch Gewinn für den Werbetreibenden!

Bucht eine Firma mich heute, weiß ich, dass man mich nicht nur als Werbemensch für einen Tag will, sondern auch all das, wofür ich stehe, kämpfe, mir hart erarbeitet habe – und sie wollen meine Community, die ich mitbringe. 

Unternehmen schmücken sich mit Testimonials und umgekehrt. Traditionsmarken starten in der heutigen Zeit immer öfter einen Relaunch und beleben das Unternehmen neu.
Dies funktionierte beim etwas eingestaubten Image von Babor Cosmetics mit u.a. Influencerin Farina Opoku aka @novalanalove, Lisa Banholzer von @Blogger Bazaar und Sonja Paszkowiak von @Shoppisticated hervorragend. Ruck-Zuck waren Teile der Pflegelinie ausverkauft. „Alles, was auf Instagram funktioniert, funktioniert auch im Abverkauf“ – sagt Henning Korb von Apropos Store.

Das Rasteder Unternehmen Ulla Popken hält für mich als Vorreiter die Flagge der Plus Size Diversity ganz hoch und startet mit der #ichbinrichtigso Kampagne und #UllasMädels eine neue Kundenansprache, mit ganz unterschiedlichen Konfektionen und Figurtypen auch in den Katalogen. Eine echte Sensation, wie ich finde. Dass ich ein kleiner Teil davon sein darf, macht mich sehr stolz. 🙂

Firmen beziehen den Endverbraucher immer mehr mit ein.

Der Endverbraucher wird immer mehr mit ins Boot geholt. Es werden Tickets verlost, Meet & Greets, Fotoshootings, Konzerte, Sachpreise, Reisen und und und … der zahlende Kunde soll bei Laune gehalten werden.

Doch wem gibt der Kunde sein Geld?

Wenn du wählen könntest, wem würdest du dein hart verdientes Geld geben?
Einem Unternehmen, dem du wichtig bist? Das dich in allen Formen feiert? Das für Diversität einsteht und nicht Firmenpolitik walten lässt und kaum deine Größe zeigt? Obwohl es ein weites Größenspektrum abdeckt?Gibt es nicht? Doch, mach deine Augen auf!

Denn ja, auch im Plus Size Bereich gibt es Diversität, denn eine Kundin möchte sich gesehen fühlen. Aber weder auf Modemessen, Katalogen, noch in Magazinen oder im TV ist eine obere Plus Size Größe sichtbar. Echt nicht!

Immer noch gibt es diese eine Studie von 19hundertschlagmichtot, in der gesagt wurde, dass dicke Frauen lieber dünne Models sehen wollen. Das bezweifle ich doch sehr.

Wenn ich mich auf Facebook in den großen Fashion-Gruppen umsehe, dann können doch tausende von Frauen, die sich jeden Tag untereinander bestärken, nicht irren. Sie vernetzen sich, zeigen ihre Looks und wollen andere dazu ermuntern, sich mehr zu trauen.So eine Peer-Group wünscht sich jedes große Unternehmen!

Echte Meinung, echte Kunden, die eben nicht nur meckern, sondern bestätigen, bestärken, verbessern und eine Community bilden, wie am Anfang meines Artikel erwähnt. 

Ich habe genau so einer Peer-Group gefragt, wie viele der Frauen lieber unterschiedliche Größen und Figurtypen sehen wollen, wenn sie online oder im Katalog shoppen. Mehr als 90 %stimmten für unterschiedliche Konfektionen!

Wenn niemand nach Identifikation suchen würde, dann hätten meine Plus Size Fashion Days ( Jetzt Diversity Fashion Days) niemals funktioniert, und es wäre niemand gekommen. Ich bin ganz nah an meiner Community und kenne die Bedürfnisse der Frauen. Wie sie oft mit sich hadern, nicht wissen wie sich kleiden sollen oder ihnen schlichtweg der Mut und der Zuspruch fehlt sich zu zeigen.
Diese Expertise versuche ich in meine Arbeit einfließen zu lassen und rede mit Firmen darüber.

Ich möchte euch gerne dafür sensibilisieren, wie mit Plus Size Kunden umgegangen wird, und das ganz offensichtlich. Ihr müsst nur die Augen öffnen und euch umschauen. 

Unternehmer / Plus Size Blogger 

… ich kenne beide Seiten.
In der Regel verdienen Plus Size Blogger viel weniger als ihre Straight Size Kollegen.

Wir werden weniger eingeladen, Pressefotografen kennen uns nicht wirklich, und viele von uns haben das Gefühl, dass sie sich ständig beweisen müssen.

Auf Veranstaltungen gibt es teilweise nicht einmal ein Goodie Bag, obwohl der schlanken Kollegin vor uns eines geschenkt wurde. Wir haben in der Modewelt zwar Bedeutung und sind wichtig, aber wir müssen uns mehr anstrengen. Müssen mehr Sichtbarkeit einfordern und uns professionalisieren! Ganz wichtig!

Auch wenn mir die Sicht aufs Ganze wichtig ist und ich Diversität einfordere, so bleibt Plus Size mein Steckenpferd. Dass alles irgendwann selbstverständlich wird und wir uns nicht mehr rechtfertigen müssen. Egal, welchen Körper wir gerade haben. Denn Mode ist für alle da.

Ich freue mich auf eure Meinung zum Thema.

Foto Kupferfux

Love yourself,

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