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Über die Glorifizierung von dicken Menschen und die Schönheitslüge der deutschen Gesellschaft

„Adipositas ist nicht das Problem“

Ich bin dick, sehr dick sogar!
Das ist jetzt nichts Neues und auch nichts worauf ich stolz bin. 
Ich bilde mir nichts darauf ein, dass ich fett bin, ich feiere mich auch nicht dafür. Trotzdem finde ich mich gut.

Ich arbeite an meiner Gesundheit, mache Sport, esse weiterhin gerne und möchte auf lange Sicht einfach gesund sein und mich gut fühlen. So einfach ist das!

Das könnte ich jetzt alles für mich behalten, möchte und kann ich aber nicht.
Denn mit der Zeit bin ich immer mehr eine öffentliche Person geworden und stehe mit meinem Unternehmen „Kurvenrausch“ für Vielfalt ein. Ich hinterfrage Schönheitsideale und möchte eine Gesellschaft sehen, in der sich alle Wiederfinden. Das ist gar nicht so einfach. Ja, alle!

glorifizierung von dicken Menschen

Denn genau da liegt die Krux..

Eine Frage, die mir immer wieder in Interviews begegnet ist, ob wir nicht Adipositas glorifizieren würden, wenn wir dicke Menschen in den Medien sichtbar werden lassen. Dicke Menschen als Markenbotschafter. Furchtbar! Wo kämen wir denn da hin?



Es entstehen ziemlich oft Grundsatzdiskussionen, wie bei der Gillette Venus (USA) Kampagne mit der amerikanischen Bloggerin @GlittersandLasers, über die ein deutscher Marketing Experte ernsthaft sagte, dass er nicht verstehen würde, was Rasierer mit dicken Frauen zu tun haben. 
Hallo! „Flechtet sich Zöpfe aus ihrem Beinhaar!“
 Bitte einmal die „dick und ungepflegt Schublade“ rebooten, Herr Marketing-Experte!

Ich wurde ebenfalls von Sat1 zur Gillette Kampagne befragt und kann mich über solche Aussagen immer nur wundern. Ganz besonders, wenn ich zur Verherrlichung von dicken Menschen befragt werde und die Medienpräsenz von mir selbst im gleichen Atemzug rechtfertigen darf. Danke, dass ich existieren darf! *Lach*

Ich stelle mal eine Behauptung auf und bin gespannt, was du dazu sagst:
Alle Körper haben das recht zu existieren und gesehen zu werden!

Ich frage mich ernsthaft, wo uns unser aktuelles Schönheitsideal hingebracht hat, welches sich übrigens alle naselang mal wieder ändert.

Vielleicht sollten wir anfangen zu hinterfragen und etwas zu verändern. Vielleicht sollten wir aufhören auf die dicken oder dünnen Menschen mit dem Finger zu zeigen und echte Lösungsansätze hervorbringen. Irgendeine Randgruppe findet sich immer!

Wie wäre es damit?

Wie wäre es mit Lösungen, die für mehr Verständnis und Gesundheit sorgen, die bereits in Schulen anfangen und für alle zugänglich sind. Ohne erhobenen Zeigefinger! Bitte dieBMI-Tabelle gleich mit überarbeiten

Denn was wir bis zum heutigen Tage geschafft haben mit der Glorifizierung unseres perfiden Körperkultes ist alarmierend:

Immer mehr Jugendliche sind mit ihren Körpern unzufrieden.
Mobbing ist mittlerweile bereits an den Grundschulen angesagt.
Die Anzahl der Essstörungen hat rasant zugenommen.

Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung sagt dazu folgendes:

Einzelne Symptome gestörten Essverhaltens sind relativ weit verbreitet. So gelten mehr als 20 von 100 Kindern und Jugendlichen im Alter von elf bis 17 Jahren als auffällig bezüglich ihres Essverhaltens. Sie zeigen also Symptome einer Essstörung, wie etwa Unzufriedenheit mit Figur und Gewicht oder Heißhungeranfälle. Mädchen sind fast doppelt so häufig betroffen wie Jungen.

 Noch mehr?

Bereits Kinder beginnen in einem sehr jungen Alter mit einer Diät. Meine erste startete mit 12.
Fast die Hälfte der Mädchen und ein Fünftel der Jungen im Alter von 15 Jahren empfindet sich als zu dick, obwohl sie normalgewichtig sind. Mehr als die Hälfte der Mädchen hat in diesem Alter bereits Diäterfahrungen gesammelt, jedes vierte Mädchen sogar mehrfach.
*

Gleichzeitig präsentieren wir in den Medien ein einheitliches Schönheitsbild, welchem kaum jemand standhalten kann.
Wäre es nicht viel entspannter und wohlwollender für uns, wenn wir alle Körper sehen würden?

glorifizierung von dicken Menschen

Recherche auf Instagram

Geb doch mal nur zum Spaß Hashtags wie #Diät, #PlasticSurgery oder #Education auf Instagram ein und schau dir an, wie viele sich für diese Themen interessieren. Wir werden immer mehr zum Abbild einer Gesellschaft, die Schönheit über alles stellt. Um so wichtiger ist es für uns, dass wir offen und lauter über Lösungsansätze sprechen und unsere Reichweite dafür nutzen, um aufzuklären. Im großen und kleinen!

Eine gesunde Gesellschaft würde es schaffen, Vielfalt als Triebfeder zu sehen und als Chance.
Würde dafür sorgen, dass unsere Kinder bereits in der Schule mit Begriffen für Selbstliebe und Selbstfürsorge in Berührung kommen.

Wir würden Ärzte haben, die nicht provisionsorientiert für Weight WatchersOptifast und Konsorten rekrutieren und Magen OPs wie am Fließband verschreiben, um es mal überspitzt zu sagen. Sie würden helfen, die Psyche zu heilen und nicht das Symptom.

Anstatt Adipositas zu verteufeln und immer mehr Menschen mit Hass und Diskriminierung zu begegnen stelle ich ernsthaft die Frage, wo uns unser Schönheitsideal bisher hingeführt hat.



An genau diesem Punkt der Unzufriedenheit, der ständigen Beschäftigung mit dem Äußeren und einem einheitlich engen Schönheitsideal, dem keiner auf Dauer standhalten kann wird gefragt, ob Adipositas verherrlicht wird.

Adipositas ist nur der Spiegel! Einer von vielen!

Ich freue mich auf euer Feedback!

Love yourself,

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