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Bye Bye Panzer – Willkommen Sättigungsgefühl

Ich berichte in meiner Kolumne „Bye Bye Panzer“ über sehr persönliche Erlebnisse aus meinem Leben und meinem Weg aus der Essstörung. Es könnte sein, dass dich dieses Thema in irgendeiner Form triggert oder dir nicht gut tut. Bitte achte auf dich.

„Ich kann Essen auf dem Teller liegen lassen, wenn ich satt bin. Goil! Und morgen scheint trotzdem die Sonne.

Lieber Poldi,

nun ist wieder ein Monat vergangen. Nimm dir einen Drachenkaffee, und wir schnacken ein bisschen über Gott und die Welt.

Hach, ich mag uns beide gerade sehr. Ich bin glücklich über unsere Entwicklung und unseren Mut. Darüber, dass wir viel rocken und echt gut funktionieren. Hier und da passieren Rückschläge, aber wir machen einfach weiter.

Was macht das Essen?

Essen ist erstmal nur Essen für mich geworden. An manchen Tagen hat es einen großen Stellenwert, manchmal ist es einfach nur so da. Es nährt uns, schmeckt – und wir haben Spaß am Essen. Kalorien zählen wir keine, wieso auch? Wir reden nicht über Diäten oder Maßnahmen zur Steuerung des Essverhaltens. Wir haben auch noch hin und wieder Essanfälle, aber die sind selten geworden und haben einen ganz anderen Umfang als noch vor ein paar Monaten.

Stell dir vor, wir haben wieder ein besseres Sättigungsgefühl. „Wir sagen: Herzlich willkommen, liebes Sättigungsgefühl! Schön, dass du wieder da bist.“ Ich kann Essen auf dem Teller liegen lassen, wenn ich satt bin. Goil! Und morgen scheint trotzdem die Sonne. Sowas – man hat mich früher also belogen! *lach*

Ich kann einkaufen gehen und vergesse, mir eine Belohnung mitzunehmen. Diese brauchen wir hin und wieder, wenn auch nur in kleiner Form.

Wir kochen, gehen essen, probieren neue Gerichte aus und haben wieder ein ausgeglichenes Gefühl für das Essen und das ganze Drumherum. Das hat jetzt echt eine Weile gedauert, aber es ist ein großer Fortschritt.

Wir sollten uns dafür mal richtig auf die Schulter klopfen. 

Wir lesen viel, hören Musik, bewegen uns, sind aktiver und gucken kaum Fernsehen. Das macht meinen Geist ruhiger, und auch du bist dadurch entspannter. Zugegeben – mehr Nachrichten gucken wäre wichtig! 

Die eigene Wahrnehmung

Freunde sagen mir, dass du geschrumpft bist. Dass ich weniger wiege und irgendwie strahle.
Nun, ich sehe das alles noch nicht so ganz. Ich merke zwar eine Veränderung, aber ich will mich nicht auf mein Äußeres fixieren. Ich sehe in den Spiegel und sehe, dass wir alle da sind. Du, mein Panzer und ich. An manchen Tagen merke ich aber, wie viel leichter mir einiges fällt. Treppen hochgehen, laufen, stehen. An anderen Tagen fühle ich mich müde von deiner ganzen Last.
An diesen Tagen ist es sehr schwer, positiv zu sein und Geduld zu haben. Mit mir und dir.
Aber es wird besser. Jeden Tag, Schritt für Schritt.

Wenn ich Fotos für meinen Blog mache, dann sehe ich, dass ich schmaler werde. Das fühlt sich komisch an. Ich habe manchmal Angst davor, und manchmal wäre ich am liebsten sofort 20 Kilo leichter. Einfach nur, weil ich gerne im Alltag noch besser funktionieren und länger durchhalten würde. 

Mein größter Erfolg waren 15.000 Schritte an nur einem Tag. Ich habe abends auf meinen Schrittzähler geschaut, weil ich einfach nicht verstehen konnte, wovon ich so k. o. war. Und da stand die Antwort: 15.000 Schritte gelaufen. Krass! Das hätte ich vor sieben Monaten niemals gerissen! Mega!

Auch meine Waage zeigt, dass wir schmelzen, aber ich werde hier nicht sagen, was ich an Gewicht verloren habe. Denn es soll ein Nebeneffekt bleiben. Außerdem triggert es viele, die vielleicht gerade in einer ähnlichen Situation sind und sich dadurch schlecht fühlen könnten. Es gibt dort draußen immer jemanden, die oder der gerade mit einem Ausstieg aus dem Diätkreislauf kämpft oder sich das erste Mal bewusst darüber wird, dass es da diese Essstörung gibt. Ein Fokus auf das Äußere von uns beiden ist hierfür nicht hilfreich.

Poldi, ich muss sagen, dass mir ein wichtiger Satz fast jeden Tag begegnet, und für diese Erkenntnis bin ich sehr dankbar.

„You cannot hate yourself into selflove.“ – Du kannst dich auf dem Weg zur Selbstliebe nicht hassen. Das stimmt aber sowas von!

Denn erst wenn ich Selbstliebe verstanden habe, kann ich mehr für meine Seele tun. Dafür sorgen, dass ich sie nähre, ihr Liebe schenke und verstehe, was sie wirklich braucht. Und darin möchte ich noch mehr Zeit und Aufmerksamkeit investieren. Denn dann kann ich dich irgendwann wirklich gehen lassen, mein Freund. Und zwar in aller Liebe für uns zwei.

Love yourself,

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